Foto: sigrunstrangmannphotography

Berühmt ist Bremens Schaffermahlzeit, die wie stets am zweiten Freitag im Februar, in diesem Jahr zum 482. Mal wieder in der Oberen Rathaushalle stattfand, immer ausgerichtet vom Haus Seefahrt. Die Schaffermahlzeit dokumentiert die Verbindung zwischen Seefahrt und Kaufmannschaft.

Oder die Eiswette, eine Idee Bremer Kaufleute aus dem Jahr 1829, bei der sie am 6. Januar am Osterdeich prüfen, ob die Weser zugefroren ist („steiht“) oder fließt (geiht“). Am dritten Januar-Samstag wird dann das Eiswettenfest mit Kohl und Pinkel gefeiert und für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger Geld gesammelt – auch dies ein Ausdruck bremischen Bürgersinns.

Dagegen ist der der Ostasiatische Verein Bremen (OAV Bremen) mit seinen jetzt 125 Jahren geradezu noch jugendlich, doch im Rang der Traditionsveranstaltungen, wie es sie nur in Bremen gibt, ist sein Stiftungsfest längst etabliert. Auch hier gilt das Prinzip des regelmäßigen Termins: immer am letzten Freitag in Februar.

Zu den Riten dieser Bremensien zählt auch, dass ihr Ablauf sowie die Speise- und Getränkekarte einem festgelegten Reglement folgen. Beim OAV-Stiftungsfest ist es das Curryessen und die Zigarre am Schluss. Die Kleiderordnung heißt Smoking, ein dunkler Anzug tut’s im Notfall auch. Das bedeutet schon eine ziemliche Liberalisierung. Früher feierte man im Frack.

Der Name des OAV verrät es: der Blick und die Pflege der Beziehungen nach Fernost ist seine Bestimmung. Als 1901 Kaufleute und Kapitäne den Verein nach dem Vorbild eines britischen Gentlemen’s Club gründeten, motivierten sie Nostalgie und der Blick nach vorne gleichermaßen. Die Ostasienfahrer und -händler tauschten Erinnerungen aus und brachten sich auf den aktuellen Stand. Die Festigung und Pflege der Beziehungen nach Ostasien war ihnen Auftrag. Bis heute genießen Namen bremischer Handelshäuser, wie etwa Melchers, in Fernost hohe Reputation.

Toleranz und Völkerverständigung sind daher die Prinzipien, die den OAV Bremen prägen. In diesem Sinne lädt er regelmäßig zu Vortragsveranstaltungen, die das deutsch-asiatische Verständnis fördern. Dazu leistet er gemeinnützige Arbeit über das Hilfswerk Ostasien, das durch Spendengelder (sie werden u. a. beim Stiftungsfest gesammelt) soziale und kulturelle Projekte in Ostasien, aber auch in Bremen fördert. Im Sinne von Toleranz und Völkerverständigung engagiert sich der OAV zudem seit 1996 mit der „Brücke nach Asien“, die jährlich zwei Stipendien an junge Menschen zwischen 15 und 17 Jahren aus dem Land Bremen vergibt, um ihnen einen vierwöchigen Aufenthalt in einer einheimischen Familie eines asiatischen Landes zu ermöglichen. Nicht zuletzt wird ihnen so die gewachsene Bedeutung Asiens bewusst.

Zum Stiftungsfest, das der OAV Bremen in seiner heutigen Form seit seinem 50. Jubiläum 1951 feiert, holt er sich die Welt ins Haus. Als Ehrengäste sind die Botschafter der ostasiatischen Länder regelmäßig eingeladen. Zu keinem Anlass als diesem besuchen so viele Exzellenzen zugleich die Hansestadt. So reisten im vergangenen Jahr die Botschafter Australiens, der Mongolei, Nepals, Neuseelands, Singapurs und Sri Lankas nach Bremen. Malaysia und Myanmar wurden durch ihre Geschäftsträger repräsentiert, Indonesien durch seine Generalkonsulin mit Sitz in Hamburg.

Für sie wird ein Programm organisiert, das am Vorabend mit einem Asien-Forum beginnt, in dessen Mittelpunkt das Fokus-Land des Stiftungsfestes steht, das im letzten Jahr die Mongolei war. Am Stiftungsfest-Freitag lernen die Diplomaten die Leistungsfähigkeit der Bremer Wirtschaft kennen. OHB, einem der weltweit führenden Entwickler und Hersteller der Satellitentechnik, galt 2025 das Interesse. Eines der größten Mercedes-Werke, im Stadtteil Sebaldsbrück gelegen und größter privater Arbeitgeber der Stadt, stand im Vorjahr auf dem Programm. Bevor es schließlich zum abendlichen Festakt geht, empfängt der Bremer Senat die diplomatischen (und anderen) Ehrengäste im Senatssaal des Rathauses, in dem sich die Exzellenzen ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Stiftungsfest 2025: Senatsempfang Foto: sigrunstrangmannphotography

Der anschließende Höhepunkt, das Curryessen in der prächtigen Oberen Halle des Rathauses von 1405 (ein Ort, wie er bremischer nicht geht) versammelt alles, was in Bremen Rang und Namen hat. Wenn der OAV-Vorstandsvorsitzende Thomas Kriwat, Honorarkonsul Sri Lankas für Bremen und das nördliche Niedersachsen, nach fernöstlicher Art mit der Klangschale das Silentium einfordert, nimmt der festliche und festgelegte Ablauf von Curryessen und Reden seinen Lauf, beginnend mit dem Vorsitzenden. Wenn danach der Hausherr, Bremens Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte, nicht weniger pointiert das Wort ergreift, so spricht er in diesem Jahr – ein zufälliger Glücksfall zum großen Fest – zugleich als Bundesratspräsident. Ein Verfassungsorgan auf der Rednerliste – das erlebt auch der OAV Bremen selten.

In der Reihenfolge der Reden, zwischen denen reichlich Zeit für Gespräche unter den über 350 Festgästen verbleibt, kommt selbstverständlich auch das Fokus-Land zu Wort, 2025 also die Mongolei. Offen und packend erzählte der Unternehmer Laurenz Melchers über seine Erfahrungen in dem Land, in dem er, genauso spontan und unbeschwert wie seine Rede klang, vor 25 Jahren ein Unternehmen gründete. Begeistert von einem Besuch, fasste er diesen mutigen Entschluss. Denn der Spross des alten Bremer Handelshauses bemerkte, dass in der Mongolei ein Bedarf nach allen möglichen Waren besteht. Dazu kam später, auch das erforderte Pioniergeist, eine Mercedes-Vertretung. Heute ist sein Unternehmen stark im Handel und der Beratung für die Bergbau-Branche tätig.

Fokus-land in diesem Jahr? Gibt es keines. Das 125. Stiftungsfest feiert des OAV Bremen ganz im Zeichen seines Jubiläums. Und das soll, neben dem Bundesratspräsidenten, weiteren, hohen protokollarischen Besuch bescheren. Die Bremer Lokalpresse prophezeit den Besuch des Bundesaußenministers Dr. Johannes Wadephul.

Unbeeindruckt davon nimmt das Stiftungsfest seinen traditionellen Verlauf, der mit der sehr berührenden Rede an die Absent Friends endet, im Gedenken an die, die nicht und vor allem nicht mehr dabei sein können. Diese freundschaftliche Referenz macht den OAV und sein Stiftungsfest aus: familiär und festlich zugleich – bremisch eben.

2026-02-24


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